10.10.2016

Ein Anstieg der Verspätungen in 2015 trübt die Bilanz der Betriebsqualität im SPNV

S-Bahn bleibt pünktlichstes Verkehrsmittel auf der Schiene – Geringerer Kapazitätsausfall – Mehr Personal für mehr Sicherheit


Köln, 10. Oktober 2016. Zweigeteilt fällt die Bilanz des Berichts zur SPNV-Betriebsqualität aus, den der Nahverkehr Rheinland (NVR) jetzt für das Jahr 2015 vorlegte. Der Zustand der Fahrzeuge hat sich genauso verbessert wie die Bereitstellung der vereinbarten Sitzplatzkapazitäten und des Personals. Probleme bereiten hingegen weiterhin die Pünktlichkeit bei Regionalexpress- und Regionalbahn-Verkehren sowie die Anzahl von Zugausfällen. „Dies kann nicht nur auf die vielen Streiktage im Laufe des Jahres oder den Ausfall des Stellwerks in Mülheim zurückgeführt werden. Es muss leider auch festgestellt werden, dass die gesamte Schieneninfrastruktur den Erfordernissen eines modernen SPNV nicht mehr gerecht wird. Eine Verbesserung der Infrastruktur, die dann auch die erforderliche Ausweitung des SPNV zulässt, ist dringend notwendig“, so NVR-Verbandsvorsteher Dr. Hermann-Josef Tebroke.

Auf die Pünktlichkeit der S-Bahnen ist Verlass
Erfreulicherweise fuhren die S-Bahnen 2015 noch etwas pünktlicher als im vorausgegangenen Jahr. Durchschnittlich weisen die S-Bahnen lediglich eine Verspätung von weniger als einer Minute auf. Erheblich verbessert hat sich die Linie S 6, die in den Vorjahren deutlich unpünktlicher war als das übrige Angebot. Die Verbesserung konnte durch den Einsatz von neuen Fahrzeugen (ET 422 / ET 423) erzielt werden. Die Linie S 6 wurde dadurch zur zweitpünktlichsten Linie im S-Bahn-Bereich.

Über alle Produktgruppen (Regionalexpress, Regionalbahn, S-Bahn) hinweg gesehen hat sich die Pünktlichkeit gegenüber dem Vorjahr leicht verschlechtert. Während die Regionalbahn-Züge einen Wert von etwa 1,6 Minuten Verspätung aufweisen, liegen die Werte bei den Regionalexpress-Linien bei rund 3,2 Minuten Verspätung. Bei den Regionalbahnen schnitt die Linie RB 24 am schlechtesten ab. Auf einem ähnlichen Niveau liegen die Linien RB 26, RB 27 und RB 48. Positiv entwickelt hat sich hingegen die Pünktlichkeit auf der Linie RB 38. Durch den Einsatz der VT 644 seit dem Fahrplanwechsel 2014 liegt die Verspätung nun deutlich unter einer Minute.

Beim Regionalexpress gibt es weiterhin Luft nach oben
Bei der Produktgruppe Regionalexpress konnte die Pünktlichkeit lediglich bei der Linie RE 12 verbessert werden. Die übrigen RE-Linien verzeichnen eine Zunahme der durchschnittlichen Verspätungen gegenüber dem Vorjahr. Schlusslichter sind die Linien RE 1 und RE 5. Bei ihnen haben sich die schwachen Werte durch den brandbedingten Ausfall des Stellwerks in Mülheim noch einmal verschlechtert. Gerade bei den langlaufenden RE-Linien ist der Einfluss von Zügen des Fernverkehrs besonders groß: Im Falle von Verspätungen im Fernverkehr übertragen sich häufig Zugfolgeverspätungen auf den Nahverkehr. „Abhilfe kann hier nur ein nachhaltiger Infrastrukturausbau schaffen. Zufriedenstellende Pünktlichkeitswerte werden fast nur auf Linien mit überwiegend kurzen Laufwegen und separaten Trassen erzielt“, so NVR-Geschäftsführer Heiko Sedlaczek.

Zugausfallquote auf Vorjahresniveau
Insgesamt liegt die Ausfallquote bei über drei Prozent und damit auf Vorjahresniveau. Der Großteil der Ausfälle ist auf Bau- und Instandhaltungsarbeiten zurückzuführen, etwa die Arbeiten an den Oberleitungen und Weichen bei der RE 7 an mehreren Wochenenden. Der GDL-Streik wirkte sich ebenfalls negativ aus. Zudem sorgte Orkan „Niklas“ im März 2015 dafür, dass ein Großteil der Linien den Verkehr aussetzen musste.

Deutliche Verbesserungen der Kapazität im vareo-Netz
Erfreulicherweise konnte 2015 ein Rückgang der Kapazitätsausfälle erreicht werden. Generell wurden die vom NVR geforderten Sitzplatzkapazitäten von den Eisenbahnunternehmen lediglich in weniger als einem Prozent nicht eingehalten. Auch im oft kritisierten Kölner Dieselnetz ist es seit der Umstellung vom Ersatz- auf das Regelkonzept im Dezember 2014 sowie weiteren Maßnahmen zu spürbaren Verbesserungen gekommen. Schlusslicht im Ranking der Sitzplatzkapazität ist der Rhein-Sieg-Express (RE 9): Durch großflächige Baumaßnahmen, welche die Gesamtstrecke zwischenzeitlich in mehrere Abschnitte unterteilt haben, wurde die ordnungsgemäße Zugbildung teilweise unmöglich.

Probleme mit Türen und Toiletten
Beim Fahrzeugstand ist eine bessere Leistung als im Vorjahr erzielt worden. Bei der Klimatisierung, dem Vandalismus und dem Fahrgastinformationssystem gibt es fast flächendeckend weniger Störungen. Die größten Probleme bereiteten weiterhin die Außentüren und die Toiletten. Hier ist wiederum der RE 9 trotz Verbesserungen weiterhin die anfälligste Linie. Auf der Mittelrheinbahn halten sich die Beeinträchtigungen hingegen in einem eher geringen Rahmen.

Mehr Personal für mehr Sicherheit
Das Thema Sicherheit rückt nicht erst seit den Vorfällen in der Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof in den Fokus. Der NVR macht bei den Ausschreibungen strenge Anforderungen zu Personalbesetzung und Videoüberwachung. Ziel ist es, das subjektive Sicherheitsempfinden der Fahrgäste zu stärken. Bei den acht untersuchten Linien konnte die Personalbesetzung in den Abendstunden bei sieben Linien fast die 100 Prozent Marke erreichen. Lediglich bei der RB 25 lag der Wert knapp unter 90 Prozent.

Kunden sind zufriedener als im Jahr 2014 – Zahl der Beschwerden sinkt
Ein leichter Rückgang ist bei den beim NVR eingegangenen Kundenbeschwerden zu verzeichnen: Die Anzahl fiel von 1136 Beschwerden in 2014 auf 1025 im letzten Jahr. Wichtigstes Thema der Kunden war nicht mehr die Überfüllung von Zügen, sondern Unpünktlichkeit und Zugausfälle. Das Fazit von NVR-Geschäftsführer Heiko Sedlaczek: „Jeder Zugausfall, jede Verspätung und jede Kapazitätsminderung sind ärgerliche und somit verbesserungswürdige Qualitätsmängel. Ihr Umfang muss durch gemeinsame Anstrengungen aller Beteiligten minimiert werden.“

Den Bericht finden Sie unter folgendem Link: https://www.nvr.de/fileadmin/Dateien/PDF/NVR_SPNV_Qualitaetsbericht_2015.pdf


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