12.07.2017

Prototyp des Rhein-Ruhr-Express vorgestellt

Siemens startet Testprogramm des Rhein-Ruhr-Express / Digitale Zugtechnik / Einsatz ab Ende 2018 geplant


Wegberg-Wildenrath, 12. Juli 2017. Siemens hat den ersten Prototypen des Rhein-Ruhr-Express (RRX) vorgestellt. Im unternehmenseigenen Prüf- und Validationcenter (PCW) in Wegberg-Wildenrath
beginnen die Tests des Elektrotriebzuges. In den kommenden Monaten werden im PCW insgesamt sieben Vorserienfahrzeuge in Betrieb gesetzt. Sie absolvieren ein umfangreiches Testprogramm bevor sie erstmals Testfahrten im öffentlichen Bahnnetz absolvieren. Der RRX soll Ende 2018 seinen Betrieb im Großraum Rhein-Ruhr aufnehmen.

„Die Aufnahme der Testfahrten im PCW zeigt, dass wir im RRX-Projekt im Zeitplan liegen. Hier prüfen wir, ob die Fahrzeuge fit sind für ihren täglichen Einsatz in und zwischen den Städten in Nordrhein-Westfalen. Jeder einzelne Zug der gesamten RRX-Flotte wird hier quasi vor der Haustür in Betrieb gesetzt werden“, sagte Sabrina Soussan, Leiterin des Geschäfts mit Hochgeschwindigkeits- und Regionalzügen sowie Lokomotiven von Siemens.

Siemens wurde im März 2015 von den Zweckverbänden Nahverkehr Rheinland (NVR), Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV-Nord), dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und dem Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) mit der Lieferung von 82 Elektrotriebzügen vom Typ Desiro HC und der Wartung für einen Zeitraum von 32 Jahren beauftragt. Der Auftrag hat ein Gesamtvolumen von über 1,7 Milliarden Euro.

Siemens hat die RRX-Flotte, basierend auf der erfolgreichen Desiro-Plattform, neu entwickelt. Das Fahrzeugkonzept kombiniert hochwertige Ausstattung mit modernster Technik. Jede Zugeinheit besteht aus vier Wagen, von denen der erste und der letzte als End- und Steuerwagen jeweils mit nur einem Deck und die beiden mittleren als Doppelstockwagen ausgeführt sind. Insgesamt stehen 400 Sitzplätze zur Verfügung. Die Züge sind in den Farben Weiß, Grau, Schwarz und Orange gehalten. Das Design des RRX setzt sich im Innenraum fort. Großzügige Sichtachsen und Fensterfronten sorgen für eine angenehme Atmosphäre. Darüber hinaus bietet der RRX WLAN-Zugang und Steckdosen im gesamten Zug, Klapptische und Leseleuchten in der ersten Klasse sowie modernste Informationssysteme und eine energieeffiziente Antriebsanlage und Klimatisierung.

Nicht nur beim Fahrgastkomfort, auch bei der Verfügbarkeit nutzt das Fahrzeug die neueste Technik. Moderne Datenkommunikation sorgt für einen ständigen Dialog zwischen Zug und Service-Einrichtung: Im Rahmen der vorausschauenden Instandhaltung können Fehler so behoben werden, bevor sie entstehen. Mit der Übernahme des lebenslangen Services des RRX garantiert Siemens eine mehr als 99-prozentige Verfügbarkeit für den fahrplanmäßigen Betrieb. Der RRX ist außerdem auf einen hocheffizienten Betriebseinsatz ausgerichtet. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 160 km/h und Fahrerassistenzsystemen für vorausschauendes Bremsen und Beschleunigen sorgt der RRX auch auf den hochbelasteten Strecken im Rhein-Ruhr-Gebiet für einen optimalen Verkehrsfluss.


Martin Husmann, Vorstandssprecher Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR): „Mit dem Rhein-Ruhr-Express (RRX) treiben das Land NRW und die beteiligten SPNV-Zweckverbände mit ihrem Partner aus der Industrie eines der wichtigsten Mobilitätsprojekte Nordrhein-Westfalens voran. Mit vereinten Kräften wollen alle dem stetig steigenden Fahrgastaufkommen Rechnung tragen und die Mobilität von
Reisenden und Pendlern in und nach NRW sichern. Auf der Hauptachse zwischen Köln und Dortmund wird der RRX im 15-Minuten-Takt die Metropolen der Rhein-Ruhr-Region verbinden – und zwar in einer ganz neuen Dimension von Qualität und Quantität. Grundvoraussetzung hierfür ist der Ausbau der Infrastruktur. Bis der komplette Ausbau der Infrastruktur für den RRX abgeschlossen ist, wird es noch mehrere Jahre dauern. Die ersten Fahrzeuge werden allerdings schon ab Ende 2018 eingesetzt. Ab dann startet sukzessive der sogenannte „Vorlaufbetrieb“ des RRX mit den hochwertigen, barrierefreien und leistungsstarken neuen Fahrzeuge, die die Siemens AG konstruiert, produziert und
über einen Zeitraum von bis zu 32 Jahren instand halten wird.

Wir freuen uns, dass wir mit Siemens einen verlässlichen Partner an unserer Seite haben. Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2018 werden die neuen RRX-Züge nach und nach auf den großen Regionalexpress-Linien in NRW eingesetzt und verbessern damit Komfort und Platzangebot wesentlich.“

Heiko Sedlaczek, Geschäftsführer der Nahverkehr Rheinland GmbH (NVR): „Wir haben sehr hohe Erwartungen an das neue RRX-Fahrzeug und erhoffen uns einen Meilenstein in Sachen Fahrgastkomfort, Zuverlässigkeit und Qualität. Der heutige Besichtigungstermin stimmt uns sehr positiv. Nun gilt es, dass der Hersteller Siemens die Fahrzeuge pünktlich zu den avisierten Betriebsaufnahmen der verschiedenen RRX-Linien zur Verfügung stellt.“

Burkhard Bastisch, Geschäftsführer Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL): „Der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) ist ein sehr flächengroßer Verkehrsraume in NRW mit seinen periphären Oberzentren Münster, Bielefeld, Paderborn und Siegen. Insofern ist es von großer Bedeutung, dass der RRX beim Start im Dezember 2018 drei dieser Oberzentren direkt mit der Metropolregion Rhein-Ruhr und der Rheinschiene mit Düsseldorf und Köln verbindet. Besonders erfreulich ist die Einbeziehung der
Hellwegachse bis in den Nordhessischen Verkehrsverbund nach Kassel-Wilhelmshöhe. Hier läuft ja gerade der Vorlaufbetrieb seit Dezember 2016. Mit dem Start des RRX im kommenden Jahr wird dann auch das Angebot in Richtung Paderborn zum Stundentakt aufgewertet. Darüber hinaus setzt sich der NWL dafür ein in absehbarer Zeit auch Angebotsverbesserungen für Münster und perspektivisch auch für das Oberzentrum Osnabrück in Niedersachsen zu erreichen. Diese Planungen zielen darauf ab, die
weitergehenden Überlegungen aus dem Bundesverkehrswegeplan 2030 bereits jetzt schon aufzugreifen, die RRX-Konzeption entsprechend zu erweitern. In diesem Sinne würden die positiven Ankündigungen aus dem Bundesverkehrsministerium zu werten sein, dass es offensichtlich realistische
Chancen gibt, dass der Ausbau der Strecke Lünen – Münster Bestandteil dieses Plans werden könnte und somit eine Option zur Weiterentwicklung des RRX in einer längerfristigen Zeitachse eröffnet würde. Hiervon würde insbesondere die Verbindung Münster – Dortmund verlängert ins Ruhrgebiet und darüber hinaus erheblich profitieren.

Zur einfacheren Nutzung des Nahverkehrs in Westfalen-Lippe führt der NWL zum 1. August 2017 zudem den WestfalenTarif als flächendeckenden Nahverkehrstarif für das Verbundgebiet ein, der die bisherigen fünf westfälischen Nahverkehrstarife ablöst. Damit steht zum Start des RRX ein neuer Gemeinschaftstarif am Markt, der bereits ab Dortmund gilt und den gesamten westfälischen Raum sowie angrenzende Bereiche wie Osnabrück erschließt. Dies wird einen Nachfrageschub insbesondere
für die RRX-Linien darstellen.“

Pressekontakt:

Ansprechpartner für die Wirtschaftspresse:
Ellen Schramke
Tel.: +49 (30) 386-22370
E-Mail: ellen.schramke@siemens.com

Ansprechpartner für die Fachpresse:
Eva Haupenthal
Tel.: +49 (89) 636-24421
E-Mail: eva.haupenthal@siemens.com 

Nahverkehr Rheinland GmbH
Holger Klein
Pressesprecher
Tel.: 0221/ 20808-47
Fax: 0221/ 20808-847
E-Mail: holger.klein@nvr.de